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SA-Kaserne (1933-1935)

Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten im Februar 1933 und der Kommunalwahl im März 1933 verfügte der neu gebildete Stadtrat in seiner ersten Sitzung die Überlassung des Geländes an der Münzstraße an die so genannten Sturm-Abteilungen (SA) der NSDAP. Damit wurde ähnlich wie in anderen Städten ein symbolträchtiges Gebäude der oppositionellen Arbeiterbewegung umgewidmet und so die Erbauer gedemütigt. Die „SA-Stürme“ gab es in allen Barmer Stadtteilen. Sie organisierten den Terror gegen die politischen Gegner der Nationalsozialisten, vor allem gegen die Mitglieder der Arbeiterparteien SPD und KPD, die entschlossenen Widerstand leisteten und dem so genannten „Ermächtigungsgesetz“ , mit dem Adolf Hitler zum Reichskanzler geworden war, nicht zugestimmt hatten.

Im Gebäudekomplex Münzstraße wurden die 12 Stürme der Barmer SA, die SA-Standarte 171, untergebracht und kasernenmäßig organisiert. Hier wurden die oftmals arbeitslosen SA-Männer neu eingekleidet, uniformiert, kaserniert und dem militärischen Drill unterworfen. Jeder Sturm hatte eine „Stube“ als Aufenthalts- und Schlafraum mit Doppelstockbetten, konnte die zentrale Verpflegung nutzen und erhielt ein „Dienstzimmer“ für den Sturmführer.

Die Kaserne war Ausgangpunkt von spontanen Verfolgungs- und Gewaltmaßnahmen, wenn etwa nach Alkoholkonsum am „Sturmabend“ Rachezüge zu politischen Gegnern unternommen wurden. Von hier nahm auch deren systematische Verfolgung ihren Ausgang.

In der ehemaligen Bäckerei hatte der „Sicherheitsdienst“ der SA seinen Sitz, der eine umfangreiche Kartei über alle Oppositionellen führte. Von hier aus wurde der gezielte Terror in die Stadtteile getragen. Hier wurden politische Gefangene verhört und gefoltert. In den Tiefgeschossen wurden sie gefangen gehalten. Im Sommer 1933, als alle Gefängnisse überfüllt waren, wurden von der Münzstraße die ersten Arbeitstrupps ausgesandt, um das neu zu errichtende Konzentrations- und Gefangenenlager „Kemna“ außerhalb der Stadt (bei Laaken am Oberlauf der Wupper) einzurichten.

Im Mai 1934, nachdem die schlimmste Terrorphase vorüber war, bezog die SA-Standarte 171 ein repräsentativeres Gebäude im Zentrum Barmens, das heutige Gebäude der Commerzbank am „Alter Markt“.